REVIEW
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Sir Serch "Hasenfuß" veröffentlicht: 7.7.2007 / Spoken View rezension von Claus Tro Phob für www.independentrap.de, 30.6.2007 |
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Vorab: Die Art und weise, in der Sir Serch (damals noch Mr Serch) rappte, faszinierte mich seit den ersten Free Downloads auf www.funkviertel.de, die ich dort Anfang 2003 hören konnte und dem Tape, was mir Marcello mal netterweise gab. Schnell integrierte ich ihn berechtigterweise in den erlesenen Kreis meiner deutschsprachigen Lieblingsrapper. Kaum einer sonst spuckte so selbstverständlich in der Vortragsweise, so brilliant, gewitzt und facettenreich in seiner Wortwahl in meine Ohren. Serch präsentiert sich auf seinem nun ersten "offiziellen" Album immer noch gleichzeitig clever und kritisch, phantasiereich und gewitzt, melancolisch und euphorisch. Hier finden Klischees keinen Platz, sondern werden disqualifiziert. Einfach nur Rapshit straight from the heart, blabla. Genug der Phrasen. Serch müsst ihr natürlich selbst gehört haben. Allein die videos, die auf youtube.com zu sehen sind und die erste Single-Auskopplung des neuen Labels Spoken View (bei dem er mit Damion Davis und Mr Mick zusammen das bisherige Artist-Rooster ergibt) zeigen sein Allroundtalent irgendwo zwischen Poesie, Kabarett, Schauspielerei und Rap. Einer, der sich selbst nicht ernst nimmt und trotzdem persönliche Dinge mit Gänsehaut-Faktor erzählt, auf der Bühne steht und alleine den Beat dominiert, dabei die frischesten Reime spittet, bei denen man mal im Nachhinein überlegt, wie sich das jetzt eigentlich reimen konnte usw usw. Die Beats, die hier gewählt wurden (aus den Schmieden von Serch selbst und seinen Freunden V-Räter, V-Mann und Drumkid) sind nicht mehr ganz so Mitneunziger-New-York-mäßig; sind nicht mehr ganz so gerade im midtempo-Bereich und nicht mehr ganz so minimalistisch und trocken. Eher klingen sie manchmal organisch-funky, als ob es nur Loops aus Soul-Klassikern sind, die hier und da eben noch mit ein paar drums oder effekten belegt wurden, und manchmal klingen dann doch synthetisch nach Elektro und dreckiger Art eines Clubbes. Das Album ist versehen mit fetzig-schnellen Nummern, die über den Tanzboden fegen und zum Wirbeln auffordern. Serch hastet den Beats in gekonntem Stakkato und flexiblen Flowschemen hinterher und voraus. Der Ausflug Richtung "Gutta Music" (free download instrumental album aus 2006 mit seinem Kumpel Drumkid zusammen) trägt hier Rechnung, und wohl auch die moderne Tanzmusik mancher Berliner Spelunken. Trotzdem wird weiterhin auch dem Jazz und der traditionellen Sample-Ästethik des Rap-Genres gehuldigt. Serch erzählt immer noch persönliche Storys zwischen Frankreich-Aufenthalt, sexuellen oder halb-sexuellen Beziehungen oder Berliner Straßenerlebnissen, schlüpft dabei gerne mal in andere Rollen, um seine Kritik an Staat, Bürgern oder CSU-Ministern aus anderen, bisher ungehörten Perspektiven vorzutragen und den Hörer selbst zum Nachdenken und Zuhören zu provozieren. Der aufmerksame Hörer erfährt etwas aus seiner Gegend, ohne dass Serch den Big Mac markiert. Stattdessen ungeschminkte Lebensberichte einer rebellischen Jugend und Hoffnungsschimmer für suizid-gefährdete Freunde des Antihelden vom Kollwitz-Platz. So ehrlich und frisch, so lebendig und dabei trotzdem immer wieder mit einem Hauch von ungeschönter, unkitschiger und trotzdem Gänsehaut bescherenden Melancolie wurde Rap selten vorgetragen. Auf dass sich ne Menge der neuen Generation dem Herren Serch ein Ohr schenkt... oder besser noch zwei. Oder drei. Unbedingt reinhoeren! www.spokenview.com / www.myspace.com/mrserch / www.myspace.com/spokenview. review (c) by www.independentrap.de |
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