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REVIEW

sage francis Sage Francis
"A Healthy Distrust"

veröffentlicht: 1.2005 / vertrieb, label: epitaph
rezension von Claus Trophob für www.independentrap.de

Gesundes Misstrauen? Nicht wirklich angebracht, wenn "A Healthy Distrust" von Sage Francis dabei ist, hastig und voller Erwartung in meinen CD-Player gestopft zu werden. Nach Atmosphere der zweite Rap Act auf dem label Epitaph, welches eher der Punk Tradition zuzuordnen war und vielleicht ja damit auch noch ist. Nach seinem grandiosen und als Klassiker gefeierten Solo-LP Debüt "Personal Journals" (anticon) und dem "Hope" Album mit seinem alten Producer-Freund Joe Beats nun sein zweites Solo-Werk auf offizieller Ebene (schon seit 1996 produziert Sage Francis eigene Tapes und CDs und vertreibt diese im Do-It-Yourself Style auf seinen selbst organisierten Touren und über seine Internet-Seite). Hier werden die rap headz keine möchtegern-vernichtenden punchlines und stumpfen battle-phrasen finden. Hier werden die DJs keinen Track finden, um ihn im Club aufzulegen, damit auch der letzte aufspringt und crunk durch die Gegend brüllt. Hier werden Leute mit großen, aufmerksamen Ohren einen Slam Poeten, Battle-Champion und vor allem sensiblen Menschen belauschen, wie er in absolut ehrlicher Art und Weise von sich, seinen Freunden, seinen Feinden, seinem Land, seinen Leidenschaften und Problemen, seinem Glauben und seinem Zweifel spricht. Immer auf gleichsam humorvoll-charmante und doch eindringlich-ernsthafte, durchdachte Weise und mit Skills, die er sich in den letzten 19 Jahren (Sage rappt seit er 8 Jahre alt ist) angeeignet und verfeinert hat. Die Delivery von Sage Francis ist über jedes ungenaue Zögern erhaben, seine Wort-Gewandheit und Reimtechnik braucht vor keinem - und damit meine ich KEINEM - anderen etablierten Rapper, den wir aus dem Land der Sterne und Streifen kennen, verstecken. Sage Francis ist eher derjenige, der die Aufmerksamkeit (im neu-hiphop-slang: shine) der anderen mehr verdient hätte, als alle anderen. Mit nur 15 tracks bei 50 minuten könnte man glauben, dass das hier ein Mini-Album sei. Doch halfen ihm die Produzenten Alias (Anticon), Joe Beats (Non Prophets), Dangermouse (bekannt durch sein Jay-Z Remix Album, welches sich auschließlich samples des beatles-Klassikers "White Album" bediente und dadurch einige rechtliche Probleme bekam), Sixtoo, Daddy Kev (Shape Shifters Umfeld), Varick Pyr und Reanimator (der sich durch e-mail mp3 beats in Schusslinie von Sage schieben konnte) dabei, aus jedem Text mehr rauszuholen als auf den meisten loop-basierten Rap Liedern ansonsten passiert. Jeder Track ist ein Meisterstück, in Kleinstarbeit verziert, zerstört, wieder aufgerollt und durch Pausen, Übergänge und Explosionen perfekt an Sage's dramaturgische Vortragsart angepasst. Hier werden verzerrte Rock-samples mit eingearbeitet oder Gitarren-Melodien von Musikern zusätzlich eingespielt, hier wird gesungen, gescratcht, double time in atemberaubendem Tempo gerappt und an den richtigen Stellen geflüstert und die Stimmung durch langsame, melancolische Piano-Loops wieder von neuem aufgebaut. Dreckige drumloops liefern Unterlagen vor Kanonen-artige Gefühlsausbrüche oder geschmeidige Flows. Einfach ein weiteres Meisterwerk und hoffentlich ein Schritt weiter Richtung Massenwarnehmung eines der großartigsten lebenden Rap-Künstlers.

review (c) by www.independentrap.de


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