REVIEW
![]() |
Momentan "Finderlohn" veröffentlicht: 7.2007 / Mad Flava Entertainment rezension von Claus Tro Phob für www.independentrap.de, 1./2.8.2007 |
|
Hier will wohl jemand den guten alten Rap zurückbringen und fordert direkt mal Finderlohn ein, was? "Momentan" haben als Crew über die letzten Jahre hinweg schon hier und da ihre Beziehungen über den in Duisburg ansässigen Mad-Flava-Recordstore bis hin zur Ostküste der USA spielen lassen und sich so den ein oder anderen trueschool-feature-gast für ihre vergangenen 12inch Maxis geangelt. Das erste komplette Album der 4-Mann-Posse um die Rapper Michael Mic und J.R. (der ab und zu auch beats produziert) und ihren DJs Dirty Diggler und Buttafinga kommt nun eben auch über eben jenes Madflava-eigene Label namens "Mad Flava" heraus und heißt "Finderlohn". Die Gästeliste ist mit Raaka Iriscience und El da Sensei (Ex-Artifacts) wieder pompös bespickt und sorgt natuerlich fuer Aufsehen und Skepsis gleichzeitig. Das Album fängt mit einem PH7 (aus Augsburg stammend, hat u.a. schon Beats für Savas, Creme Fresh u.a.) und klarem Session-Charakter sympathisch an. Die Beats sind durchgehend klassisch Newyork-Boombap beeinflusst und überzeugen durch soulige Samples und wärme Ausstrahlung. Die Rapper präsentieren sich hier als reife, erwachsene und teils intelligent die Umstände (von Privatleben oder shady music business) beschreibende Lyricists, was ihnen in einigen Liedern souverän und solide gelingt. Thematisch gehts hier jeweils um ein eigenständiges thema. Statt nur übers rappen zu rappen wird hier lieber der Status-Symbole-Wahn der anderen rappen thematisiert oder auch mal Mann-Frau-Freundschaften scharf an der Grenze zum Seitensprung für die eigene Beziehung zu werden. Auch die DJs kommen nicht zu kurz, sondern werden mal in den Texten der Rappern beschrieben ("dreckiger Butter") oder zeigen durch Vocal-Cut-Refrains Präsenz auf dem Album. Was in Deutschland bisher auch wenige gemacht haben, wird auf "Wortwechsel" überzeugend gebracht: DJs ergänzen und vollenden die angefangenen Sätze der Momentan-Rapper durch reingescratchte Zitate anderer. Das ist nur einer der tracks, die zeigen, dass in diesen Release definitiv viel Mühe und Arbeit hineingesteckt wurde. Der gesellschaftlich-relevante Ansatz der Lyrics muss da auch nochmal review-technisch betont werden (zb erzählt "Going Back" welt- oder deutschland-bezügliche Ereignisse im Durchlauf der Jahre und mixt das mit persönlichen Kindheitserinnerungen). Andererseits bleiben die Texte thematisch dann doch zu oft im bürgerlich-liberalen Horizont hängen, sind nicht spitz genug kritisch, sondern eben im Endeffekt doch recht gemäßigt. Wird in "Im nächsten Leben" noch die monogame Zweier-Beziehung hochgehalten, obwohl man bereit wäre, sich neu zu verlieben und auf ein nächstes Leben vertröstet, werden in "Spiesser" (welches Beat-technisch - PH 7 - eins der verstreuten Highlights der Platte darstellt) die festgefahrenen Lebensmodelle und heuchlerischen Entwürfe der Mitbürger dann wieder hämisch betrachtet. Kritik ist auch an den teils gestellt wirkenden Adlib-Vocal-Spuren im Intro angebracht; hier soll Leichtigkeit rüberkommen, der track verliert sich dann aber doch in eher verkrampften oder abgedroschenen Wie-Vergleichen und Belanglosem ("wir haltens wie Curse, Rap ist soulmusik"). In diesem Sinne stellt auch das Cipher-mäßige feature mit Summsemann (der stimmlich stark an Dendemann/Majubiese erinnert) einen Tiefpunkt dar. Dem entgegen stehen dann wieder Glanzstücke, die sich eher weiter hinten auf dem Album befinden wie zb "Miles n more", welches von Urlaubsphantasien handelt, die jeder arbeitende gut genug kennt oder das auf einem hypnotischen Beat vorgetragene "Gegenüber", welches einen voyeuristisch-interessierten Blick auf die Nachbarschaft wirft bzw verschiedene Anwohner einander vorstellt. Was dem Album für meinen Geschmack also ein bisschen fehlt, ist hier und da das Kantige. Die Rapper klingen eben hier und da doch etwas zu brav und zu wenig individuell, sind sich (was das Problem vieler Rapper-Duos zu sein scheint) in ihrem Rapstil einfach zu ähnlich und probieren auch Flow-mäßig nicht genügend aus, um wirklich fesseln zu können. Die Conscious-Schiene kann man den Juns zwar teilweise abnehmen, doch bleibt eben der Beigeschmack, dass hier einfach ein paar Kumpels miteinander gechillt ihren Spaß haben wollen - was ja nicht schlecht sein muss - aber sich da teilweise nicht viel mehr als das eben dahinter verbirgt.Alle mal aber ein Album, das Beachtung verdient hat und einiges Potential enthält. Da passen die features dann doch auch zur Substanz von Momentan, anstatt nur ein PR-Gimmik gewesen zu sein. Auschecken. ...Außer PH7 und J.R. sollten aber auch die Produktionstechnischen Beteiligungen von DJ Adlib, Rene Ortiz, The Saint und Expert T. nicht unerwähnt bleiben. www.momentanmusic.de / www.myspace.com/momentan. review (c) by www.independentrap.de |
|
die rezensionen auf dieser seite geben lediglich die subjektive meinung des autoren wider. copyright für alle schriftsätze liegt bei www.independentrap.de! |