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REVIEW


... Lunafrow
"Treibhaus 78"

veröffentlicht: 8.2007 / ming dynasty
rezension von Claus Tro Phob für www.independentrap.de, 21.8.2007

Das erste, was ich von Lunafrow hörte, war seine 12inch auf dem Ming Dynastie Label von Roey Marquis, irgendwann Ende des letzten Jahrtausends (schätze ich grade mal). Schon damals wurde deutlich, dass Lunafrow vor allem denjenigen Rap-Hörern gefallen wird, die Rap hauptsächlich als Mittel sehen, Narben und Abgründe der Vergangenheit lyrisch und emotional zu verarbeiten und nebenbei auch Lust auf gut eingängige Beats haben.
Endlich im Jahre 2007 angekommen, stampft der Frankfurter nun seinen ersten Longplayer mit eigener Krampf aus dem Boden. Auf "Psychotreibhaus 78" befinden sich 17 tracks, die alle dort weitermachen, wo Lunafrow mit seinen letzten Features und Erscheinungen auf Producer-Alben oder Samplern aufgehört hatte.
Für den recht modern und trendy klingenden, sehr synthetisch cleanen Sound war hier meist Jagger zuständig, der seine Aufgabe solide erledigt und den selbsttherapeutischen Geschichten von Lunafrow die entsprechenden Unterlagen schustert.
Was Lunafrow herausstechen lässt, ist seine tiefe und ruhige Stimmlage, die in ihrer Art entfernt an D-Flame erinnert, aber dann doch wieder ganz anders ist. Außerdem ist sein Reimstil recht eigenwillig. Für einige wird das steif und ungelenkig klingen. Die Sätze werden grammatikalisch weiterhin teilweise zerpflückt, also Worte und Satzteile umgestellt, so dass es sich am Ende reimt. Diese Herangehensweise klingt teilweise aufgesetzt, hat andererseits durch Eigenartigkeit ihren Reiz und ihre eigene Poesie.
Inhaltlich wird es auf "Brauch dich nicht" (dem 8ten track) dann interessant bzw etwas unerwarteter, als Lunafrow sich scheinbar über die Abhängigkeiten und gegenseitige Destruktivität bei unnahem Sex Gedanken macht, bis dann das Olli Banjo-Feature (zweite Strophe) die Psychoanalyse zerstört und den track als Metapher auf Rap enttarnt. Naja.
Desto länger man sich mit Lunafrow, dem liebevoll gestalteten Booklet und seiner Biographie beschäftigt, desto stimmiger wird das Bild und desto tiefer und näher kommt man an ihn als Persönlichkeit heran. So wird es gegen Ende des Albums dann konkreter und detaillierter, immer intimer und persönlicher. Soviel Tiefe verdient Respekt und Achtung, da werden die geschmacklichen Differenzen dann am Ende in der Bewertung doch kleiner geschrieben.
Fazit bleibt: Menschen, die ein offenes Ohr für ehrlichen Rap haben und Lust auf etwas poppige Rap-Beats, Gesangshooks-Features und sowas, sollte Lunafrow mal das zweite Ohr leihen, falls das auch noch offen ist.

www.myspace.com/lunafrow.

review (c) by www.independentrap.de


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