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REVIEW


... Form
"Ich bin 7undzwanzig Meter groß"

veröffentlicht: 7.2007 / Forche Records
rezension von Claus Tro Phob für www.independentrap.de, 1./2.8.2007

Weiter in der bisher eher ungestarteten, aber dennoch tollen Rubrik "Besonderheiten aus dem deutschsprachigen Rap-Underground": Form präsentiert seine neue und meines Wissens zum ersten Mal richtig gepresste CD "Ich bin 7und20 Meter groß".
Der Art und Weise, in der der Protagonist hier Rap-Musik (im weitesten Sinne macht), begegnet der geneigte Hörer ansonsten ziemlich selten. Form entwirft eine Form irgendwo zwischen White Trash Karikatur, Anti-Pop-Art, Charlie Chaplin-Blödsinn und Chaos-Gewitter Lowfi Drum N Bass.
So wundert es auch nicht, dass beim CD-Artwork weder hinten zu vorne passt, noch der CD-Aufdruck zur Inlay-Seite. Schon mal schön verwirrend bis grotesk-hässlich.
Allein aus dem Opener Track wären schon ein paar wunderbare Zitate zu zitieren, die ein Manifest für Ehrlichkeit und komplex-verrückte Gedankengänge um den Rap-Zirkus herum darstellen. Müsst ihr aber selbst mal anhören. Die Beats schmettern zwischen Drum N Bass Uptempo und düsterem, mit Hall-Effekten belegten eher typischeren Rap-Beats.
Fifa Form zischt seine Reime und Wortfetzen in ungebändigter und lebendiger Manier, die zwar hier und da etwas akkustisches Unverständnis übrig lässt, aber zumindest zum Zuhören zwingt.
"Ich spitt so sick und geb kein Fick" wird als dritter der insgesamt 26 tracks schon zum ersten Höhepunkt der Klischee-Verarschung aller sonstigen Deutschrapper.
Auch in den darauffolgenden Liedern retten die cleveren Wortspiele und mannigfaltigen Ideen die teils kantige und stockende Vortragsweise der Texte, was natürlich absichtlich hässlich und holpernd sein könnte... wer weiß das am Ende denn schon?
Inhaltlich gehts immer um Pop-Musik, Rap-Szene oder auch persönliche Liebesbeziehungen oder sonstigen Irrsinn der Welt. Nicht nur werden hier die Proll-Rapper auf den Arm genommen, sondern gleichzeitig das Studentenrapper- und Öko-Image gekonnt umschifft, indem Form sich in "Ich = Sonett" als Muster-Schwiegersohn representet, der alles andere als Gangster, böse und hinterhältig ist, das ganze aber stimmlich in 50-Cent-Manier vorträgt und den Track mit "Seid alle lieb zueinander, sonst stürzt die Erde ab. Auch du kannst Öko sein, du schaffst das" pointiert.
Auf "Guajira Guantanamo Bay" wirds dann doch mal ernst ohne jeglichen Zynismus... auf einem langsam-düsteren Piano-Loop erzählt Form, was so während Kriegsgefangenschaft passiert und covert im Refrain die Melodie des cubanischen Liebesliedes "Guantanamera" - genial. In der zweiten Strophe werden doch noch bittere, in wortspielen getränkte Witze gespittet. Da fehlt dann konsequenter weise auch der Reim, wo er den Inhalt nur abschwächen würde.
Musikalisch wird auch in anderen tracks deutlich, dass Form keine Mühe behält, sich im Rap-Modus zu belassen, sondern auf Genre-Grenzen keine Wichsaktion gibt, sondern eben zwischen electro, drum n bass, schlagerlied, poesie und schreihals-rap (stilistisch mal näher an KIZ, mal näher an taktloss, bloß in intelligenter) hin- und her-switcht.
Da macht dann das meiste ne Menge Spaß, strengt gleichzeitig aber auch an. Könnte dem ein oder anderen unaufmerksamen oder vom Pop-Brei weichgespülten dann etwas zu viel sein.
Freigeister jedoch und Menschen, die sich gerne mit den unformigen Auswüchsen derjenigen beschäfigten, die erkannt haben, dass etwas an Allem hier krank ist und deshalb selbst etwas krank wurden, müssen das Album hier mal auschecken und sollten supporten. Dann freut sich der Form nämlich sicher.

Checkt www.fifaform.de / www.myspace.com/formprim.

PS: achja, das booklet ist es auch ausnahmsweise mal wert, gelesen zu werden. Form ist siebenundzwanzig Meter groß - da könnt ihr was erleben!

review (c) by www.independentrap.de


die rezensionen auf dieser seite geben lediglich die subjektive meinung des autoren wider. copyright für alle schriftsätze liegt bei www.independentrap.de!