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LPs 2003


Backyarts / Toxic Water "Südlichter"
CD - eigenvertrieb - mitte 2003

aus richtung schwarzwald kommt mir eine CD nach hause, die für sich in anspruch nimmt, den nachwuchs in unglaublicher dichte zu repräsentieren. zu hören bekomme ich ne realativ breite bandbreite von MCs, die in düsterer atmosphäre ihre gedanken und geschichten verbreiten. sehr positiv sticht für mich persönlich erstmal der track "negativ wie HIV" von Erka heraus. depressive lyrics und melancolische klangwelten laden ein in eine welt, die nichts mit jiggy-rap und chartfreundlichem rumgegrinse zu tun hat. wie öfter bei solchen compilation-actionen sind auch ein paar beiträge drauf, die technisch noch nicht so sicher rüberkommen, trotzdem auf jeden fall ein anhör-tip für leute, die an persönlicher, deeper rap-musik interessiert sind! checkt www.backyarts.de und www.toxic-water.de!

reviewed by Ja.Bro 08.2003

Akrobatik "Balance"
CD/2LP - Coup D'Etat - anfang 2003

endlich ist der longplayer von dem mann draußen, die manche hoffentlich schon von 12inches (ruffenough, sayyessayword, internet mcs etc), sampler-beiträgen oder features kennen. im tollen boston tummelt sich der akrobat mit der tiefen, eindringlichen stimme die letzten jahre zwischen mr lif, fakts one, insight, 7L and Esoteric und weiteren kollegen. er bringt uns auf 15(??????) stücken (produziert von ihm selbst, edan, diamonD., da beatminerz u.a.) den guten alten hiphop wieder zurück. so wird die stärke dieses longplayers gleichzeitig zur schwäche. Akrobatik flowt souverän, aber eben nicht innovativ und mit grandioser technik. die beats klingen nach rap, aber selten nach mehr als konvention. trotzdem ist dieses album gut durchhörbar, und Ak gibt sich stets mühe, jedem song ein thema zu verleihen. unbedingt checken!

reviewed by Ja.Bro 06.2003

Schall "direcotr's cut"
LP - eigenvertrieb - anfang 2003

nochmal ne instrumental-platte. hier hat sich der erst 18 jahre junge Schall aus der nähe von dortmund auf den weg gemacht und seine erste vinyl-produktion selbst released. zu hören bekomme ich elegant aber gleichzeitig brachial in szene gesetzte soundstrukturen, die sich gleichsam zum drüber-texten als auch zum zuhören und assoziationen freien lauf nehmen lassen genial eignen. spätestens bei riot-bildern auf dem cover, dem text auf der rückseite, oder den ausgewählten vocal-cuts für die DJs unter uns wird deutlich, dass hier sogar ein sozial-revolutionärer soundtrack für kapitalismus-kritiker entworfen wurde. unbedingt anhören und gleich kaufen -> schall.tc.net

reviewed by Ja.Bro 06.2003

Sichtbeton "Sichtbeton"
CD - eigenvertrieb - anfang 2003

aus dem funkviertel-umfeld in ost-berlin kommen die beiden protagonisten dieser scheibe Lunte (texte, raps, poesie, geschrieben->gesprochenes) und dj verräter (auch v-räter genannt). Nach einer etwas aussichts- und ideenlosen zeit ende der neunziger jahre, in der hiphop laut Lunte nur noch taub re-produziert und plastik-mäßig verpackt über den teich kam, entdeckte der rapper seine liebe zu gesprochenen texten bei einem poetry slam wieder. so entstanden eindringliche lieder irgendwo zwische wu-tang, saul williams, anticon und gutem hörspiel. es werden geschichten von rausgeschmissenen mitern und alltagssituationen auf den berliner straßen auf gemütliche, reich angefertigte sample-schienen gelegt. es gelingt den beiden interessante stücke zu schaffen und davon zu erzählen wie zimmerwände auf einen zuraßen oder man im sommer polizisten mit gummibärchen beschmeißt! checkt die hörprobe auf www.sichtbeton.info

reviewed by Ja.Bro 06.2003

Da Kloenschnack "und sonst so?"
CD - eigenvertrieb - anfang 2003

fabufab und knoppaz bringen ihre erste demo-cd raus. zu hören bekommt mein ohr hier zumeist recht jazzige harmonien, alles eher sehr musikalisch gehalten von den beats her. das hört sich für mich persönlich nicht so toll an, da is eher "neuer tag" ein highlight mit entspannteren, leisen tönen und schönen samples, die die mellow stimmung des tracks unterstreichen und den reimen genug platz lassen. die reime von fab sind technisch schon guter durchschnitt, thematisch vielfaltig, aber eher auf fun-rap. einzig "brennpunkt" fällt da ein bisschen aus dem raster, und prompt wir auch Albino gefeatured. wie nachrichtenreporter wird hier auf misständnisse unsrer welt aufmerksam gemacht, aber es hapert wieder am beat und klingt aufgesetzt und gezwungen. die stimmung kann mich einfach nicht richtig treffen. insgesamt ne funky demo-CD, aber nicht so mein ding, obwohl durchaus talentiert und einfallsreich. vielleicht ja deins?! -> dakloenschnack.de

reviewed by Ja.Bro 06.2003

Ground Zero "Misantropolis"
LP - eigenvertrieb - anfang 2003

zwar schon etwas länger in pfiffigen plattenläden, aber trotzdem noch für ne besprechung gut ist die platte von dj scientist und backdraft, so wie weiteren kollegen aus münchen. zu dem schönen artwork von barbarino gibt es noch 7 breakbeat-dominierte kompositionen gratis hinzu. auch misanthrop und omega takeshi, die aufmerksamen hörern in diesen breitengraden auch schon bekannt sein sollten, kommen auf spokenword-mäßige art zu wort und erschaffen z.b. bizarre zukunfts-szenerien. Insgesamt sollte jede/r, der oder die sich für düstere samples und langsamere brüche und turntable-instrumentals interessiert mal reinhören. -> the-groundzero.com

reviewed by Ja.Bro 06.2003

Tiefenrausch "Urknall aus der Tiefe"
CD - eigenvertrieb - anfang 2003

Tiefenrausch besteht aus den MCs Pascha und Raporter, die auch selbst ihre beats produzieren und sich im jahre 2001 zu dieser formation zusammenfanden. auch davor waren sie schon im hiphop-bereich aktiv und bringen nun ihren gegenvorschlag zum deutschrap-statusquo auf cd im eigenvertrieb raus. thematisch befinden sich die beide in einer zulu-beeinflussten tradition (wofür auch das interlude steht, auf dem torch das zulu-ding erklärt und gegen konsum und drogen abgeht) und wollen mehr bringen als herkömmliche battl-phrasen. in "1969" geht das so weit, dass ein verschwörungsnetz herausfbeschworen wird, dass die mondlandung nur eine täuschung der NASA gewesen sein. naja, zwar paranoid, trotzdem nicht uninteressant. die beats sind rhytmisch oft an die gute alte public-enemy zeit angelehnt, die samples etwas innovationslos draufgesetzt. das ganze ist schon irgendwo tight, aber mich kann die herangehensweise, der rapstil und die reimtechnik der beiden nicht wirklich überzeugen. auch die messages gegen bierkonsum und umwelverschmutzung kommen mir etwas zu platt und aufgesetzt rüber. auf manchen stücken wird aber zum mir erstenmal zu ohr kommend der stil der bone thugs and harmonies ziemlich gut nachgeahmt, was sich schon cool anhört, aber eben nicht seehr eigen ist. der nachwuchs am zug, mir persönlich zu religiös, platt, aber durchaus mit gutem ansatz und engagiert. checkt das zeug auf tiefenrausch-rap.de

reviewed by Ja.Bro 06.2003

Versbox "Koyaanisqatsi"
CD - eigenvertrieb - ende 2002

Seid ´97 bilden die MCs Rap.so.die, Cruz, Tycoon und die DJs und Beatbauer Madskill und Gambit nun die Versbox aus Stuttgart. Nun konnten sie durch die Teilnahme an einem Bandwettbewerb und dem damit einhergehenden Erringen des 2. Platzes ein CD-Album aufzunehmen und in höherer Auflage an die Leute zu bringen. Die noch immer ungesignte Crew liefert hierbei ein solides Produkt ab, welchem sie den Namen „Koyaanisqatsi" gaben. Eine Bedeutung dieses Wortes aus der Sprache der Hopi-Indianer ist „Ruf nach Veränderung", womit wir auch gleich beim Thema der Raps sind: Fast ausnahmslos sind die Lyrics gesellschaftskritisch und politisch gehalten. Diese werden druckvoll mit angenehmen Stimmen umgesetzt. Die Raptechnik ist nicht sonderlich beeindruckend, aber es gibt weit schlechtere, bekannte Rapper in Stuttgart, wenn ich mich da leidvoll an „Cruisen" erinnern muss. Auf der musikalischen Seite punkten die Beats von Madskill und Gambit mit kleingehackten Samples, dreckigen Drums und drückenden Bässen. Weil die Industrie solche Gegenpropaganda nicht verkraftet und die Versbox folglich trotz grandiosem Gesamteindrucks noch keinen Plattendeal haben, wird sich „Koyaanisqatsi" vermutlich nicht im Plattenladen deines Vertrauens finden. Doch dies hat auch seine gute Seite: Statt für die üblichen 16€ im Laden bekommt man für die Hälfte ein professionell produziertes Album mit hervorragenden Beats und aussagekräftigen Raps, wenn man dieses auf www.versbox.org bestellt. Dort gibt es außerdem einige der Tracks zum downloaden um das Album checken zu können. Es lohnt sich!

reviewed by Kaos.de.tt 03.2003

King Britt "Adventures In Lo-Fi"
2LP - BBE Records - 3/2003

Wenn ich ein neues Album höre, möchte ich überrascht werden. Ich möchte, dass mich der Künstler in Welten mitnimmt, die er mir vorher noch nicht gezeigt hat. Ich möchte dorthin, wo ich noch nicht war und in die Musik eintauchen können. Und keine zwei Minuten nach beginn des Albums, ist es schon soweit, King Britt hat mich in seine Fänge genommen. Das 6 Minuten lange Eröffnungsstück Planetary Analysis, wo DJ/Produzent und Poet Rich Medina ein ernüchterndes Weltbild abgibt, wiegt einen schnell in die Welt des King Britt, der Rap dorthin bringt, wo kein anderer Produzent ihn je gebracht hat. Auch wenn die hektisch, verwirrenden Raps eines Quasimoto (Spaces) nerven und man sich ab und zu eine kleine Pause wünscht, um die verschiedenen Sounds, mit denen bombardiert wird zu verarbeiten, so ist Adventures In Lo-Fi eines der interessantesten Alben, das dieses Jahr herausgekommen ist. Auf Tracks wie Transcend, Caught Out (There) oder Emotional Quotient Deringer of Chieck Anta Diop demonstriert er auf eindrückliche Weise, wie traditionelle Produzier – Skillz auf’s nächste Level gebracht werden können, ohne übertrieben nach etwas neuem suchend zu klingen. Tracks wie Apollo Creed oder Nu Concept, bei dem ich mir eines dejà vu Erlebnisses nicht entziehen kann, wenn ich das Sampel höre, sind in der Produktion so genial und simpel zugleich, dass man die Raps fast vergisst und nur fröhlich den Produktionen lauscht. Und auch wenn ich das Album durchgehört habe, kann ich mich nur an die Produktionen erinnern, die die Raps irgendwie beiseite schieben. Keiner der Rapper konnte wirklich einem Beat noch die erfrischende Note geben, die ein Rapper einem Beat geben sollte. Auch wenn sich die Gästeliste mehr als gut liest und eigentlich nur gutes hoffen lässt: Alma Horton, Capitol A, Bahamadia, Quaimoto, Malik, Dice Raw, Grand Agent, Rob Life, Cherrywine und Posddnuos. King Britt hätte auch ohne weiteres ein Instrumentalalbum abliefern können. Und genau da liegt das Problem. Die 22 Tracks dauern nur selten über drein Minuten und dreissig Sekunden. Die Beats haben genügend Zeit sich zu entfalten. Die Raps nur selten. So muss man sich oft mit eher mehr schlecht als recht zurechtgebastelten Raps begnügen. Nur Capitol A burnt auf Caught Out (There) alles weg, was diesen Track auch gleichzeitig zu meinem Lieblingstrack macht. Insgesamt ist King Britt ein eindrückliches, sehr abwechslungsreiches Album gelungen, das mehr als nur überzeugt. Chillig, soulig und groovig zugleich ist es einfach nur super entspannend anzuhören und bereitet einem einfach nur Spass. Zwar verlangen die Produktionen die Aufmerksamkeit des Hörers, jedoch schafft King Britt es den Hörer, der einfach eine Musik zum nebenbei laufen braucht, nicht zu überfordern. Und für Digable Planets Fans ist diese Scheibe eh ein muss.

reviewed by Eric 04.2003

K*Rings Brothers u.a. "Peripherique - das Album"
CD - peripherique records - 1/2003

Eine Art Compilation als Vorbote auf das bald erscheinende K*RINGS BROTHERS Album kommt nun von der Peripherique. Hierauf befinden sich nun Tracks der eben schon genannten Brüder, die einigen wohl schon durch ihre Maxi-Vinyl Single "Wie lange noch?" und die daraus entstandenen Features mit Roey Marquis bekannt sein dürften, aber auch ihren Squad-Kollegen wie Roberto, Morice, Garufa und Anael, der auf französich und deutsch überzeugen kann. Diese Mischung aus selbst ernannten "normalen Menschen" hat sich nun zum Ziel gemacht ihre poetischen, tiefen Texte und musikalischen Beats der Mehrheit der sonstigen Aktiven im Bereich "Deutschrap" entgegenzusetzen. Das gelingt auch ziemlich rund, harmonisch und flächendeckend. Nahezu alle Lieder zeichnen sich durch die oft zitierte Liebe zum Detail und die tiefen, ruhigen Stimmen der Lyricists aus, die den meist düster-melancolischen tracks ihre eigene Note verleihen. Inhaltlich dreht es sich meistens um die blöden anderen Szene-Kollegen oder um zerbrochene Freundschaften, aber auch mal etwas codierte Systemkritik kommt am Rande vor und kritisiert den hohen Stellenwert, den Geld einnimmt und das ungleiche Verhältnis der sogenannten (!) westlich-zivilisierten zur "anderen" Welt. Auschecken und bestellen könnt ihr das Album über www.pq-world.de oder in jedem guten Plattenladen.
respect für alles-alleine-machen, independent at its finest.

reviewed by JaBro 3.2003

Looptroop "the struggle continues"
2LP/CD - david vs goliath / burning heart - 12/2002

einfach eine schnelle, tanzbare, chart-taugliche, aber dennoch explizite, revolutionäre platte, die uns die vier schweden hier liefern. nach "a modern day city simphony" waren die erwartungen recht hoch, und Looptroop sind auf jedenfall eine kleine Richtung weiter in die clubs reingerutscht. So bringen sie politische statements für den dancefloor ("revolutionary step"), liefern sich intelligente battles mit MCs, denen es nur darum geht "who got the best flow, who got the most dough" (bei "get ready!"), aber lassen auch die liebes-stories nicht zu kurz kommen ("looking for love"). DJ Embee bastelt gekonnt den instrumentalen untergrund, gespickt mit einem haufen samples, die er versteht perfekt ineinander-laufen zu lassen. Allein die teilweise macho-mäßigen sprüche von Promoe nerven mich an dieser Platte. Ansonsten: HOOOOOOLEN!

reviewed by JaBro 4.2003