LEA-WON's DISTANZIERUNG bzw. ÖFFENTLICHE AUSTRITTSERKLÄRUNG
VON HIPHOP-PARTISAN oder auch nur dem, was davon übrig blieb!
Kurz und knapp: Lea-Won sieht sich selbst nicht mehr länger als Teil von "HipHop-Partisan" so wie HipHop-Partisan im Moment existiert und von wem HHP vertreten und repräsentiert wird.
Dazu will ich ein bisschen ausholen und erklären...Im März 2003 erfur ich durch meinen Rap-Kollegen Koljah (aus Düsseldorf) von einem sich formierenden Netzwerk, welches sich Hiphop-Partisan nennen sollte und gerade im entstehen war. Koljah hatte ich schon circa 3 Jahre früher übers Internet kennengelernt und mit ihm tracks gemacht usw...
HHP entstand aus einer Diskussion über das Buch "Fear of a Kanak Planet", welches Murat Güngör und Hannes Loh (zwei Hiphop-Autoren und -Aktivisten seit frühen Tagen) 2002 veröffentlicht hatten.
Ich stieß hinzu, HHP rekrutierte schnell weitere Mitglieder und wir formierten uns hauptsächlich, um einer Raplandschaft in Deutschland Paroli zu bieten, die immer stumpfsinniger (das heißt inhaltsleerer), sexistischer (d.h. zum beispiel Schwulen- und Frauenfeindlich oder auch einfach nur soziale Geschlechterrollen unreflektiert propagierend) und ungewissenhafter (z.b. durch das leichtfertige Benutzen von Nazi-Metaphern usw) wurde.
Schnell wurde (vorwiegend in Diskussionen im Internetforum) deutlich, dass diese Problematiken nichts mit der HipHop-Szene an sich zu tun hatten und haben, sondern gesellschaftlichen Verhältnissen entsprangen und entspringen, welche von der Szene bloß reproduziert, das heißt: unkritisch wieder gegeben wurden und werden.
So verbanden sich HipHop und Politik zu einem Netzwerk von fortschrittlich denkenden HipHop-Anhängern und -Aktivisten. Wir organisierten gemeinsam Veranstaltungen/Jams/Auftritt, unterstützten politische Kampagnen (z.B. gegen sog. "Ausreisezentren" für Flüchtlinge) und forcierten auf sonstige Weise unsere Kräfte, Anstrengungen, Träume, Vorstellungen und Lebensweisen, um nach außen hin Wirkung zu erzielen.
Aus guten Vorsätzen wurde leider zu wenig. Ernüchterung trat ein, als einige merkten, dass es doch anstrengender als gedacht ist, sich mit politischen Themen tiefergehend auseinanderzusetzen, um nicht nur das nächste "wir wollen mehr Sinn in Rap-Texten"-Netzwerk oder die nächste "Krieg ist böse und Bush ist scheiße"-Plattform darzustellen. Einige gingen noch zur Schule und mussten aufpassen, dass sie nicht sitzen bleiben, andere arbeiteten schon und hatten allgemein zu wenig Zeit und wieder andere waren einfach zu sehr in sich selbst oder Rap an sich verliebt (da schließ ich mich selbst nicht aus), um noch genügend Zeit für anderes zu haben.
Persönliche Streitereien und politische Differenzen in Kernfragen taten ihr übriges.
Auch die verzögerte Promotion der einzigen gemeinsamen Veröffentlichung ("HipHop-Partisan, Volume 1" über undercover art records, Berlin. 5/2005) und teilweise absurde Einzelgänge von den ein oder anderen (ich will keine Namen nennen) führten dazu, dass ich mehr und mehr gemerkt habe, dass ich kein Teil mehr eines solchen wie auch immer gearteten Netzwerkes sein will, welches mich nicht in dem Sinne repräsentieren kann und wo ich zu den meisten anderen Mitgliedern den persönlichen, musikalischen und politischen Bezug verliere und damit auch die Kontrolle über die HHP-Außenwirkung nicht mehr genügend in meinen Händen liegt, als dass ich damit identifieziert werden wollte!
Übrigens gibts was tolles neues - nennt sich ANTI-ALLES-AKTION ( www.anti-alles-aktion.com ) und trägt den HHP-Geist und zum Großteil Ex-HHP-Mitglieder und solche, die sich darüber kennen lernten, in sich. Der Unterschied zu dem, was von HHP übrig blieb und das auch nach langer interner Diskussion unter dem Namen "HipHop-Partisan" weiterführen will (obwohl es meiner und teilweise unserer Meinung nach in der jetzigen Art konzept-, Aussage- und kraftlos keinen Sinn für die Verbliebenen hat), ist, dass die ANTI-ALLES-AKTION zwar ausdrücklich aus Mitgliedern besteht, die sich zu HipHop bekennen und gleichzeitig denkende und damit politische Menschen sind, deren Meinungen sich immer in dem, was sie als "Kunst" machen widerspiegeln wird, aber die sich trotzdem nicht mit einem größeren Plan und utopischen Gehirngespinnsten aufhalten wollen, sondern einfach ihr Ding durchziehen und zusammen nach außen representen (Außerdem: Bei der Anti-Alles-Aktion handelt es sich um eine Rap-Clicke/-Posse bzw ein Rap-Kollektiv von aktiven DJs, Beatbastlern und Rappern und nicht um ein diffuses Netzwerk oder eine unorganisierte Organisation mit lauter sonstewie HipHop-verpflichteten sog. Mitgliedern oder einfach links-orientierter Kultur-Benutzer).
Bei HipHop-Partisan spielte außerdem auch ein traditionelles Geschichtswissen über HipHop und eine Bezogenheit darauf eine große Rolle, die in der Form nur für einen Teil der ANTI-ALLES-AKTION relevant zu sein scheint.
Von all dem unangetastet bleibt natürlich, dass ich weiterhin auch gerne zu einigen der Leuten, mit denen ich zusammen bei und als HipHop-Partisan aktiv war, Kontakt haben und mit ihnen kollaborieren werde. Außerdem war die Zeit bei HipHop-Partisan sowohl im Internet auf dem Board durch gegenseitige Diskussion, Tipps, Inspiration, Austausch und Connection, als auch außerhalb des Internets in da real world (so z.B. bei Jams, Demos, Konzerten und Treffen) meistens schön, aufschlussreich und bleibt eine Lebenserfahrung, die ich nicht missen müssen will (ums pathetisch auszudrücken).
Außerdem bin ich stolz drauf, der einzige zu sein, der ein HHP-Logo auf eine offizielle CD-VÖ gebracht hat. hehe
Ich hatte bis zu letzt gehofft, neue Kräfte bündeln zu können oder HipHop-Partisan mit leicht modifiziertem und erneut klarem Konzept weitermachen zu können; nur befinden sich dafür scheinbar die falschen Leute an Bord/Board dieses Schiffen, die krampfhaft daran festhalten und sich außerdem mit mir nicht richtig verstehen wollen/können oder einfach nicht Einschätzung und Ziele mit mir teilen. Auch deshalb räume ich das Feld.
Leider werde ich meine alten, selbst mit Siebdruck gefertigten HipHop-Partisan T-Shirts nud Pullis so nicht mehr tragen können, weil HHP - wenn weitergeführt - nicht als ein toller Abschied mit gutem und klarem Ende in Erinnerung bleibt, sondern dann wohl ein noch real irgendwie weiterexistierendes Netzwerk weiterbestehen bleibt, mit dem ich nicht (mehr) in Verbindung gebracht werden will.
check it out. unite. keep it conscious, keep it independent, keep it real.
Lea-Won
(5. Feb 2006 / München)